12.12.2016 Aktuell*:

*beim Aktualisieren unserer Darstellung des Rückgangs der H5N8-Fälle fiel auf, dass sich die Anzahl der älteren Fälle verändert hat. Eine Überprüfung aller Zahlen ergab, dass eine Reihe von früheren "Nachweisen" aus der TSIS-Liste eliminiert wurden (v.a. aus Bayern, möglicherweise

unbestätigte Verdachtsfälle?), andere ergänzt wurden (v.a. aus BW), bei einzelnen Fällen sich das Datum oder die Art"bestimmung" geändert hat. Es ist natürlich vernünftig, Fehler zu korrigieren. Unvernünftig ist es, solche Änderungen in einer der Wissenschaft dienenden Liste nicht eindeutig  zu kennzeichnen.

 

WAI-Realitäts-Check: Wie dynamisch breitet sich die Vogelgrippe in Deutschland aus?

(Ebenfalls als PDF zum direkten Download verfügbar)

 

Zitate:

 

                "Im Moment deutet nichts darauf hin, dass sich die Epidemie abschwächt",

 

sagte Thomas Mettenleiter [Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts in Riems] (1.12.2016).

(Quelle: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/vogelgrippe-mindestens-zwei-seeadler-an-h5n8-gestorben-aid-1.6435122)

 

"Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist beachtlich", sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. "Wir sehen im Moment keine Tendenzen zu einer Abschwächung, weder was die Zahl der gefundenen Vögel noch was die geografische Ausbreitung angeht." (7.12.2016)

(Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vogelgrippe-pandemie-unter-wildvoegeln-a-1124777.html)

 

Das WAI überprüft hiermit diese Aussagen.

 

In den folgenden Grafiken haben wir die offiziell im Tierseuchen-Informationssystem (TSIS) des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gemeldeten Nachweise von Hochpathogener Aviärer Influenza des Subtyps H5N8 graphisch aufbereitet (http://tsis.fli.bund.de/Reports/Info_SO.aspx?ts=015). Nicht berücksichtigt haben wir bekannte Fälle niedrig-pathogener Influenza, die im TSIS enthalten sind aber mit H5N8-Geflügelpest direkt nichts zu tun haben.

Zu beachten ist auch, dass die Datumsangaben bei Wild- und Parkvögeln aus dem TSIS übernommen wurden. Dies ist jeweils nicht der Tag, an dem die infizierten Vögel gefunden wurden, sondern das Datum des Labornachweises. Gewöhnlich folgt der Labornachweis 1-4 Tage NACH dem tatsächlichen Fund. Das Datum des Labornachweises ist für die Ursachenforschung irrelevant.

In einer gesonderten Grafik stellen wir Nachweise von H5N8 in Geflügelbeständen und Tierparks dar, jeweils mit dem Datum, das als Beginn des Ausbruchs der OIE gemeldet wurde (OIE = World Organisation for Animal Health, Paris. http://www.oie.int/).

Die Ausbruchsserie in Deutschland und benachbarten Gebieten begann mit dem Fund von etwa 70 toten Enten an einem See bei Stettin (Polen) am 28.10.2016, und, eine knappe Woche später, jeweils mehr als 100 toten Wasservögeln (v.a. Reiherenten) an Seen um Plön und an der Schlei sowie am Bodensee. (siehe „WAI-Chronik 2016 ...“, Seite 6, letzter Absatz, 2.2. Ausbruchsregion Norddeutschland...“) Eine annähernd genaue Zahl der Todesopfer unter Wasservögeln ist bisher offenbar nicht veröffentlicht worden, daher ist der Verlauf der Epidemie in der ersten Woche kaum nachvollziehbar. Zweifellos gab es jedoch anfangs eine große Zahl von Totfunden, die danach relativ rasch zurückging.

Abb. 1 belegt einen deutlichen Rückgang der Nachweise von H5N8 in Deutschland in den vergangenen Wochen. Wäre die tatsächliche Anzahl der tot aufgefundenen Wasservögel zu Beginn der Ausbrüche bekannt, würde sich vermutlich ein sehr viel eindeutigeres Bild ergeben. Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich in den Nachbarländern Polen, Dänemark, Österreich und Schweiz ab.

Klar ersichtlich ist in Abb. 2 der Anstieg der Labor-Nachweise jeweils an Montagen (durch den Feiertag Fronleichnam etwas verzerrt), wenn die an den Wochenenden entdeckten Totfunde analysiert werden.
 

Abb. 3 zeigt, dass die meisten Ausbrüche bei Nutz- und Tierpark-Geflügel nicht zu Beginn der Nachweise unter Wildvögeln entdeckt wurden, sondern überwiegend erst 14 Tage später, als die Zahl der Nachweise bei Wildvögeln bereits deutlich zurückgegangen war. Seit einigen Tagen scheint die Zahl der Nachweise in Geflügelhaltungen nicht weiter anzusteigen.

Eine starke Konzentration der Nachweise ist im Nordosten der Bundesrepublik feststellbar, und zwar in der Region um das Friedrich-Loeffler-Institut. Statistisch betrachtet, ist die räumliche Nähe zum FLI zeitweise der größte Risikofaktor für Geflügelhaltungen gewesen.

Dies ist ein Indiz für eine Verschleppung der Viren durch Fahrzeugverkehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1     Anzahl der Labor-Nachweise pro Woche von H5N8-HPAI-Viren bei Wild- und Parkvögeln (außer Tierparks und Geflügelhaltungen), ab 7.11.2016 (45. Kalenderwoche).


Links: Regionen Deutschlands (BW & BY = Baden-Württemberg und Bayern; MV & SH = Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein; andere: alle anderen Bundesländer;


Rechts: Arten nach epidemiologisch relevanten Kategorien (Wildenten inkl. einzelne Wildgänse: v.a. Reiherenten; Aas- und Fischfresser: überwiegend Möwen, einzelne Greifvögel, Graureiher, Haubentaucher usw.; Parkvögel: Höckerschwäne, Kanadagänse usw.)


Zu berücksichtigen ist, dass die Anzahl der Labornachweise in der Anfangszeit bezogen auf die Anzahl der im selben Zeitraum tot aufgefundenen Wildvögel (ganz überwiegend Enten) verschwindend gering ist. Die Zahlen können sich erfahrungsgemäß noch etwas verändern durch die (variablen) Zeitabstände zwischen Probenahme und Laborergebnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2   Anzahl der Labor-Nachweise pro Tag von H5N8-HPAI-Viren bei Wild- und Parkvögeln (außer Tierparks und Geflügelhaltungen), ab 7.11.2016.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3     Gesamtzahl der Nutzgeflügelhaltungen und Tierparks mit Ausbrüchen von Geflügelpest H5N8 in Deutschland. Haltungsart (private Kleinhaltungen, kommerzielle Massentierhaltungen und Tierparks), links Anzahl der Meldungen pro Tag, rechts pro Woche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 4     Regionale Verteilung nach Landkreisen, kumulative Darstellung. 8 der 16 betroffenen Tierhaltungen befinden sich in den beiden Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen (Mecklenburg-Vorpommern), die dem FLI benachbart sind. Die übrigen 7 Landkreise sind Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim (MV), Schleswig-Flensburg und Lübeck (SH), Harz (ST), Cloppenburg (NI), Hochtaunus (HE) und Hamburg (HH).

 

Ergebnis

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Anzahl der tot aufgefundenen HPAI-positiven Wildvögel von Anfang November bis Mitte Dezember deutlich zurück gegangen ist. Auch bei den Ausbrüchen in Geflügelhaltungen ist ein Rückgang ab Mitte November festzustellen. Die eingangs zitierte Interpretation durch Herrn Prof. Dr. Mettenleiter entspricht somit nicht der Realität.