Die Bilanz der letzten Jahre (WHO):

2008: 44 Fälle, 33 tödlich (75 %)
2007: 88 Fälle, 59 tödlich (67 %)
2006: 115 Fälle, 79 tödlich (69 %)
2005: 98 Fälle, 43 tödlich (44 %)
2004: 46 Fälle, 32 tödlich (70 %)
2003: 4 Fälle, 4 tödlich (100 %).

Betroffen waren 2008 wie in den Vorjahren vor allem:

• Indonesien (24 Fälle [54,5%], davon 20 tödlich [83,3 %])
• Ägypten (8 Fälle [18,2%], 4 tödlich [50,0 %])
• Vietnam (6 Fälle [13,6%], 5 tödlich [83,3%])
• China (4 Fälle [9,1%], 4 tödlich [100%])

außerdem:

• Kambodscha und Bangladesh (je 1 Fall; 0 tödlich).

Der rückläufige Trend bestätigt sich auch 2009. Bis zum 11.3.2009 wurden insgesamt 20 Fälle gemeldet (16 von der WHO bestätigt + 4 aus Indonesien), von denen 10 tödlich verliefen (50 %). Im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 13% und sogar um 44% bei den Todesfällen. Betroffen waren bisher vier Länder: Indonesien, Ägypten, Vietnam und China. Ein Rückgang in Indonesien stehen Zunahmen in China und Ägypten gegenüber.

 

In Indonesien, Ägypten, Vietnam und China sind Geflügelimpfungen gegen "Vogelgrippe" erlaubt und werden landesweit durchgeführt. Auf diese Länder entfielen 2008 und 2009 - wie in den Vorjahren - fast alle Infektionen bei Menschen (96,9 %; 100 % der Todesfälle). Diese "Impfländer" sind zugleich diejenigen, in denen sich die Tierseuche in Geflügelbeständen am hartnäckigsten hält.

 

Bei 99 tödlich verlaufenen Fällen ist die Dauer der Krankheit bekannt (Abb. 1). Sie betrug im Mittel 10,0 Tage (2 - 30 Tage). Das deutet darauf hin, dass nicht Influenzaviren sondern Sekundärinfektionen die Todesursache gewesen sind (vgl. Brundage & Shanks 2008).


Abb. 1: Dauer der Erkrankung bei tödlich verlaufenen H5N1-Fällen 2008 (n=99).

 

Angesichts des weiterhin auf hohem Niveau stagnierenden Anteils der tödlich verlaufenden Fälle ist ein positiver Einfluss von Antiviralen Medikamenten nicht erkennbar.

 

Völlig unklar ist nach wie vor die Zahl der leichten oder symptomlos verlaufenden Infektionen.

 

Ebenso ist der genaue Ansteckungsweg bei Infektionen von Menschen nicht wirklich bekannt. In den meisten Fällen wird nur vage ein "Kontakt zu krankem Geflügel" als mögliche Ursache angegeben. Angesichts der weiten Verbreitung der Geflügelpest H5N1 Asia ("Vogelgrippe") in Geflügelbeständen in einigen asiatischen Ländern ist davon auszugehen, dass schon mehrere Millionen Menschen Kontakt zu infiziertem Geflügel gehabt haben, ohne zu erkranken.

 

Es drängt sich der Verdacht auf, dass von Seiten der WHO kein Interesse besteht, die Zahlen der "Vogelgrippeopfer" zu relativieren. Tatsächlich besteht das Hauptproblem nach wie vor darin, dass einige asiatische Länder das Problem durch völlig ungeeignete Bekämpfungsstrategien unter Einsatz von Geflügelimpfungen verschleppen, statt die Tierseuche konsequent am Ursprung einzudämmen. Insbesondere wäre zu untersuchen, warum Infektionen von Menschen fast nur in "Impfländern" vorkommen.

 

Auffällig ist der hohe Anteil sehr junger Patienten in Ägypten. 2009 betrafen die 7 gemeldeten Fälle aus diesem Land Kinder im Alter von 18 bis 30 Monaten, die glücklicherweise alle überlebten. Eine ähnliche Situation gibt es in keinem anderen Land. Offenbar sind kulturelle Besonderheiten für die Unterschiede zwischen den Ländern verantwortlich. Es stellt sich die Frage nach der Rolle von Beschneidungen. In allen anderen betroffenen Ländern sind Beschneidungen von Kleinkindern nicht üblich oder wenig verbreitet.

 

Nach wie vor gibt es keinen Hinweis, dass sich das "Vogelgrippevirus" H5N1-Asia zu einer für Menschen weltweit gefährlichen Seuche (Pandemie) entwickeln könnte.

 

Quellen:

http://www.who.int/csr/disease/avian_influenza/country/
http://www.who.int/wer
http://www.oie.int/eng/info/hebdo/a_dsum.htm
http://www.promedmail.org
Brundage, J.F., Shanks, G.D. (2008): Deaths from Bacterial Pneumonia during 1918-19 Influenza Pandemic.- Emerging Infectious Diseases 14 (8): 1193-1199

Peter Petermann für WAI, 20.12.2008

[aktualisiert und überarbeitet am 14.03.2009]