Aber H5N3 selbst ist nicht tödlich. Bis jetzt ist an dem Virus nach Behördenangaben kein einziger Vogel gestorben. Auch gibt es nur einen historisch belegten Fall, 1961 in Südafrika, in dem dieses H5N3 Virus in eine aggressivere, "hochpathogene", Form mutiert wäre. Die Krankheitssymptome bei den jetzt infizierten Puten (Truthühner)beschränken sich nach Behördenangaben auf eine vorübergehende Müdigkeit, obwohl diese Geflügelart gegen Krankheitskeime besonders empfindlich ist.


Dass jemals ein Mensch an H5N3 erkrankt wäre ist weltweit nicht bekannt. Aber "der Teufel ist ein Eichhörnchen", und manchmal ein Virenforscher, und deswegen wollen Experten nicht ausschließen, dass das an sich harmlose H5N3 irgendwann Eigenschaften entwickeln könnte, die es gefährlich machen könnte. Das ist dann zu befürchten, wenn sich das Virus längere Zeit in großen Tierhaltungen massenhaft vermehren kann. Und dagegen kennen die Experten kein anderes Mittel, als die vollständige Vernichtung der betroffenen Geflügelbestände. Und der verdächtigen Bestände. Und der Bestände, die zu verdächtigen Bestände indirekt Kontakt gehabt haben.


Quarantäne erscheint ihnen zu unsicher und teuer.


Nach letzter Zählung sind im Kreis Cloppenburg bereits über 250.000 Puten wegen dieser H5N3 Vireninfektion, die keine Krankheit auslöst, vergast worden. Die Behörden sorgen sich, dass die Beseitigung einer so großen Anzahl von Kadavern Probleme bereiten könnte.

Wie konnte sich das Virus so rasch ausbreiten?

Da die Infektion keine auffälligen Symptome auslöst, ist die Anwesenheit der Viren nur durch aufwändige Tests nachzuweisen. Diese Tests finden aber, wie Experten seit langem monieren, in Massentierhaltungen nur selten statt, und sind von zweifelhafter Zuverlässigkeit. Es ist deswegen zu bezweifeln, dass sich die Viren erst vor kurzem über die Bestände verbreitet haben. Vielmehr ist anzunehmen, dass sie schon länger unbeachtet zirkulieren. Erst die intensive Nachsuche brachte dies ans Licht.
Bisher wurden die Viren in Niedersachsen vor allem bei Puten gefunden, was aber wenig besagt: die Viren werden nur dort gefunden, wo man gezielt nach ihnen sucht. Die betroffene Region ist das wirtschaftliche Zentrum eines Geflügelkonzerns, der auf Putenmast spezialisiert ist. Die Behörden hüllen sich in beredtes Schweigen, aber die Vermutung ist naheliegend, dass es Vertragsmastbetriebe dieses Konzerns sind, in denen die Viren zirkulieren.


Damit beginnt sich auch die Frage nach der Ursache der Epidemie zu klären: Wildvögel spielen, wie bei früheren Ausbrüchen von Influenza-Viren, überhaupt keine Rolle. Auf welchem Weg die Viren zuerst in die Putenmastbetriebe gelangten wird aber wohl auch diesmal nicht aufzuklären sein - sind die Viren erst einmal so weit verbreitet, dann ist schwer zu ermitteln, wo sie zuerst auftraten und warum.
In Geflügelbeständen der EU zirkulieren "H5"-Viren bereits seit Jahren, u.a. in Italien und Frankreich, so dass eine Einschleppung aus dem Ausland denkbar ist.

Freilandhaltungen als Sündenböcke für die Folgen der Massengeflügelhaltung
Bis jetzt fehlt jeder Hinweis, dass die Viren aus den betroffenen Beständen Wildvögel infiziert haben könnten. Infizierte Wildvögel mit H5N3 sind in Deutschland seit Jahren nicht gefunden worden. Deswegen ist auch nicht zu verstehen, dass jetzt niedersächsische Freilandhaltungen durch das Verbot, Geflügel Auslauf zu gewähren, für die unhaltbaren Zustände in der industriellen Geflügelproduktion bestraft werden. Eine Gefahr der Ansteckung besteht für Freilandhaltungen ganz offensichtlich nicht.
Die infizierten Bestände waren ausschließlich Stallhaltungen. Bei Puten werden gewöhnlich wegen der Empfindlichkeit der Tiere besondere Schutzvorkehrungen gegen einen Eintrag von Krankheitskeimen getroffen ("Biosecurity"). Dennoch waren es in Europa bei allen größeren Ausbrüchen von Geflügelpest ("Vogelgrippe") immer Stallhaltungen, in die das Virus aus anderen Geflügelbeständen eingeschleppt wurde.

Wie geht es weiter mit der industriellen Massen-Geflügelhaltung?

In immer kürzeren Abständen werden in Europa Massenkeulungen von Tieren der industriellen Geflügelhaltung vorgenommen. So starben seit 2007 in Europa: 152.000 Puten in England (Februar 2007), 340.000 Mastenten in Bayern (August 2007), 575.000 Puten und Legehennen in Polen (November 2007) und nun erneut Hunderttausende Puten in Niedersachsen - die Steuerzahler bezahlen sowohl die Keulung, wie einen Großteil der Entschädigung.


Noch findet eine öffentliche Diskussion über diese unhaltbare und unerträgliche Situation nicht im notwendigen Umfang statt. Bisher ist es gelungen, die Öffentlichkeit mit haltlosen und dümmlichen Spekulationen über angeblich "virenverbreitende Wildvögel" abzuspeisen und ruhigzustellen.
Wir wollen dem durch Verbreitung von Informationen entgegenwirken.

Zu fordern ist jetzt:

 

  • Ein sofortiges Ende der diskriminierenden und ungerechtfertigten Schikanen gegen Freilandhalter - Ende der allgemeinen Stallpflicht!
  • Eine sofortige Intensivierung der Kontrollen der industriellen Geflügelproduktion, die in transparenter Form erfolgen müssen.
  • Eine Politik, die mittelfristig nur nachhaltige, seuchenhygienisch und ökologisch verträgliche Geflügelhaltungen zulässt,
  • und die durch intensive Kontrollen der Ausbreitungswege von Krankheitskeimen im Geflügelhandel die Gefährdung durch Krankheitserreger (außer Influenza z.B. auch durch Salmonellen) verringert.