1. Kritischer Kommentar des Deutschen Rates für Vogelschutz zur Vogelgrippe-Politik

BAUER, H.-G. (2007 [erschienen 2008]): Neue Entwicklungen im Vogelschutz und Aktivitäten des Deutschen Rates für Vogelschutz (DRV) im Jahr 2006.- Ber. Vogelschutz 44: 11-22

[S. 19-20; rote Markierungen durch WAI]
"...
Die Fälle aviärer Influenza und Geflügelpest zu Anfang des Jahres 2006 haben z. T. zu völlig überzogenen Reaktionen der Behörden und zuständigen Verwaltungsstellen geführt, als Beispiel seien ... die Aufstallungspflicht für alles Hausgeflügel - und deren komplette Keulung beim Auftreten von Verdachtsfällen - genannt (das Aufstallen von Geflügel kann Ausbruchsfälle nicht verhindern, wie die Praxis zeigte ...). Voreilige, z. T. unsachgemäße und inzwischen vielfach widerlegte Äußerungen mancher Fachwissenschaftler schürten und verstärkten nicht selten die Ängste bei den Medienvertretern und in den Behörden. ...Andererseits wurden die am Bodensee auftretenden Vogelgrippefälle von der Landesregierung Baden-Württembergs erfreulicherweise zum Anlass genommen, ein größeres Forschungsprojekt ins Leben zu rufen (Wildvögel und Vogelgrippe = WuV) und mit großzügigen finanziellen Mitteln auszustatten. Zudem hat sich ein Verbund von Forschern und Behördenvertretern am stark betroffenen Bodensee in dem trinationalen Programm CONSTANZE zusammengefunden, um wichtige Grundlagenfragen zur Geflügelpest zu klären. Erstaunlicherweise fehlten bis dato entsprechend gut ausgestattete Forschungsprogramme, die angesichts der weltweit schon über 10 Jahre grassierenden Geflügelpestfälle längst überfällig waren. ... Doch sind weder im WuV-Projekt noch in COSTANZE die möglicherweise entscheidenden Untersuchungen zu Fragen von Handelswegen und -produkten in und aus Massengeflügelhaltungen vorgesehen. Zur endgültigen Klärung der Frage, wo und wie sich Wildvögel oder Hausgeflügel ansteckten und wie die Übertragungswege verlaufen, ist jedoch gerade auch die genaue Verfolgung der Handelswege und -produkte ganz offensichtlich von entscheidender Bedeutung. ... Leider besteht aus finanziellen Gründen nach wie vor nur eine sehr geringe Neigung der Behörden, die genaue Todesursache bei verendeten, den Virus H5N1 tragenden Vögeln ermitteln zu lassen. Doch gerade pathologische Untersuchungen könnten einen wesentlichen Beitrag zur Wirkungsweise des Virus und zur Einschätzung seiner potenziellen oder realen Gefährlichkeit bei verschiedenen Wildvogelarten liefern.
..."

[Bezug der "Berichte zum Vogelschutz" über den Landesbund für Vogelschutz (LBV), Artenschutz-Referat, Eisvogelweg 1, D-91161 Hiltpoltstein. e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, oder über den Buchhandel gegen eine Schutzgebühr von 15,00,- €]



2. Übersicht über die Ausbreitung der "Vogelgrippe" (Geflügelpest H5N1 Asia) nach und in Europa

PETERMANN, P. (2008): Das Rätsel der Vogelgrippe: Geflügelpest oder Wildvogelseuche?- Anz. Vereins Thüringer Ornithologen 6(2): 117-141

Zusammenfassung
Die Klassische Geflügelpest durch Influenza-A-Viren der Subtyps H5N1 Asia (»Vogelgrippe«“) hat seit 1996 fast alle Regionen der Alten Welt erreicht, große Verluste in der Geflügelwirtschaft verursacht und mehrmals lokale Bestände gefährdeter Vogelarten dezimiert. Erforschung und Bekämpfung der Vogelgrippe wird seit Jahren von einer Hypothese beherrscht, nach der Wildvögel das Viren-Reservoir der H5N1 Asia-Viren sind und einen entscheidenden Anteil an der Ausbreitung haben. Für diese Hypothese konnten bislang keine Beweise gefunden werden. Eine vorläufige Analyse der bisherigen Ausbreitung unter Berücksichtigung genetischer Viren-Vergleiche zeigt, daß alle Phasen der Ausbreitung durch Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten zu erklären sind. Wichtige Faktoren bei der Ausbreitung sind unentdeckte Ausbrüche in Geflügelbeständen, Geflügelimpfungen und zeitweise bestehende Virenreservoire in tiefgekühlten Geflügelprodukten. Ein stärkerer ornithologischer Einfluß auf die Diskussion um die Konsequenzen der Vogelgrippe erscheint geboten, um die offenen Fragen zu beantworten.

Anm.: Die Veröffentlichung ist nun auch mit freundlicher Genehmigung des Vereins Thüringer Ornithologen e.V. unter unseren Downloads im Volltext verfügbar.

[Bezug des "Anzeigers des Vereins Thüringer Ornithologen" über die Geschäftsstelle des VTO am Naturkundemuseum Erfurt, Große Arche 14, D-99084 Erfurt. e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!]