WAI - Hintergrund-Informationen

Vogelgrippe-Ausbrüche in Europa 2007 / 2008 - vorläufige Analyse der Ausbreitungswege

Stand: 04.05.2008

 

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Begriffsbestimmung:

HPAI = hoch-pathogene aviäre Influenza (=hoch pathogene Vogelgrippe oder "Klassische" Geflügelpest)

H5N1 = gemeint sind hier stets die hoch-pathogenen Viren des Subtypus "H5N1 Asia"

In Europa gab es 2007/2008 drei voneinander unabhängige Ausbruchsserien. Genetische Analysen der HPAI-H5N1-Viren erlauben eine Zuordnung und zeitliche Auflösung der Seuchenausbreitung:

1. Ausbruchsserie: Januar / Februar 2007: Ungarn und England (Suffolk)

In drei Geflügelbeständen in Ungarn (2 x große Gänsehaltungen) und England (1 sehr großer Putenbestand).

 

2. Ausbruchsserie: Januar / Februar 2007: Russland

Anhaltende Zirkulation der HPAI-H5N1-Viren in südrussischen Geflügelbeständen, mit einer massiven Einschleppung in Geflügelmärkte im Umland von Moskau.

 

3. Ausbruchsserie Juni 2007 - Februar 2008: Tschechien - Deutschland - England - Polen - usw.

Ausbrüche in mehreren Geflügelhaltungen in Tschechien, Eintrag der HPAI-H5N1-Viren durch Geflügeltransport nach Bayern und Ausbreitung in bayrischen Geflügelbeständen, sehr weit verbreiteter Austrag der Viren in die Umwelt mit einer Serie von Todesfällen bei Park- und Wildvögeln in weit verstreuten Gebieten. Später Einschleppung der Viren durch tiefgefrorene Mastenten in Kleinbestände in Brandenburg.

Eine Fortsetzung der tschechischen Ausbrüche erfolgte ab November vor allem in Polen, wo mehrere sehr große Legehennen-Bestände und verschiedene Kleinbestände sowie ein Putenbestand (der zuerst entdeckt wurde) betroffen waren.

Am Anfang dieser Ausbruchsserie steht eine verheerende Ausbruchswelle unter Käfigvögeln (v.a. Jagdfalken) und Geflügel in Kuwait und Saudi-Arabien. Die dort gefundenen HPAI-H5N1-Viren zeigen genetisch gleichermaßen Beziehungen zu Viren aus Krasnodar (Süd-Russland), der Mongolei, aber auch Tschechien. Die Verschleppung der Viren erfolgte teilweise über den Schmuggel von gewilderten Falknerei-Vögeln aus Innerasien, aber die genauen Ausbreitungswege sind unklar, da aus Kuwait bislang nur spärliche Informationen über die Vorgeschichte durchsickern.

 

In der Nachbarschaft Europas sind HPAI-H5N1-Viren inzwischen in Ägypten endemisch geworden, wo sich landesweit mehrere genetisch verschiedene HPAI-H5N1-Viren-Stämme herausgebildet haben. Von dort wurde das Virus auch in einen israelischen Kindergarten-Zoo eingeschleppt, was offenbar durch Geflügel-Impfungen in Ägypten erleichtert bzw. ermöglicht wurde.

Ein Austausch von HPAI-H5N1-Viren zwischen Ägypten und Europa wurde bisher nicht nicht festgestellt. Dies allein bedeutet, dass Vogelzug erkennbar keinerlei Rolle in der Ausbreitungsgeschichte der HPAI-H5N1-Viren spielt.

Jedoch wurden die regelmäßig in der Region Krasnodar nachgewiesenen HPAI-H5N1-Viren-Stämme (die an der Basis von zwei der drei Ausbruchs-Serien stehen) bis in die Mongolei und Süd-Korea nachgewiesen, wobei ein Zusammenhang zwischen diesen Ländern u.a. durch Wanderarbeiter in koreanischen Geflügelbetrieben gegeben ist.

Legende / Farben

England (UK)

 

Ungarn

 

Russland

 

Tschechien

 

Deutschland

 

Frankreich

 

Rumänien

 

Polen

 

Ukraine

 

Schweiz

 

Israel

 

Türkei

 

 

Ausbrüche in Europa und benachbarten Regionen ab Januar 2007

Ausbrüche

Ergänzende Informationen

1. Ausbruchsserie (Januar / Februar)

Ungarn & Suffolk (England)

15.01.07 England (UK) , Suffolk I

Upper Holton : ein LKW mit Tiefkühlfleisch trifft aus Ungarn im Schlachtbetrieb in Suffolk ein. Spätestens mit dieser Lieferung treffen auch HPAI-H5N1-Viren ein. Die ungarischen Ausbrüche sind noch nicht entdeckt.

Gen-Analyse: die Ungarn/Suffolk-Viren ähneln sehr stark Virenstämmen, die bereits 2005 in Sibirien und Ost-Europa zirkulierten. Da sich Influenza-Viren normalerweise während der Zirkulation rasch verändern bedeutet dies, dass die Ungarn/Suffolk-Viren in der Zwischenzeit inaktiv gewesen sein müssen.

Die Gen-Analyse deutet zudem darauf hin, dass alle drei Bestände aus derselben Virenquelle infiziert worden sind. Es gibt eine Reihe von denkbaren Möglichkeiten, die diese Beobachtungen erklären.

Z.B. könnten die Viren in verunreinigtem Impfstoff gewesen sein, der sowohl in Ungarn wie in England eingesetzt wurde - bis der erste Ausbruch bekannt wurde.

19.01.07 Ungarn, Csongrad (Süd-Ungarn)

Szentes I : in einem Gänsebestand (9.386 Vögel) werden Vogelgrippe-Symptome entdeckt

22.01.07 Ungarn, Csongrad (Süd-Ungarn)

Szentes I : 2.596 Gänse sind tot. Die Behörden werden informiert.

26.01.07 Ungarn, Csongrad (Süd-Ungarn)

Szentes II : Ausbruch im zweiten Gänsebestand. 90 von 3.355 Gänsen sind tot.

27.01.07 England (UK) , Suffolk I

Upper Holton : in einem Putenbestand (159.000 Vögel) werden erste Symptome entdeckt

 


01.02.07 England (UK) , Suffolk I

Upper Holton : nachdem die Mortalität innerhalb weniger Tage rasch ansteigt, werden die Behörden informiert.

 


Weitere Ausbrüche mit diesem Virenstamm wurden nicht bekannt. Obwohl die Verbindung zwischen den Ausbrüchen in Ungarn und in England unbestritten ist, verschwendeten die englischen Behörden - wie aus den offiziellen DEFRA-Berichten abzulesen ist - mehr Zeit und Aufwand darauf, die hypothetische Rolle von Wildvögeln zu untersuchen, als auf die Aufklärung des tatsächlichen Ausbreitungswegs. In welcher Form die Viren den Weg von Ungarn nach England genommen haben bleibt deswegen bis heute unbekannt.

 

2. Ausbruchsserie (Januar / Februar)

Russland

12.-17.01.07 Russland , Krasnodarskiy Kray

Region Krasnodar: Ausbrüche in 3 Kleinhaltungen.

Gen-Analyse: Die Viren gehören zu einer Gruppe von Viren, die seit 2006 immer wieder in der Region Krasnodar und im Kaukasus aufgetreten sind.

05.-20.02.07 Russland , Moskau

9 Ausbrüche auf Geflügelmärkten im Umland von Moskau.

Gen-Analyse: Es handelt sich um den Virenstamm, der in Krasnodar gefunden wurde. Die Moskauer Viren sind im übrigen Europa nicht aufgetreten.

18.02.07 Russland , Republik Adygea (Kaukasus)

Krasnogvardeisk: 2 Ausbrüche in Kleinbeständen

 


01.12.-19.12.07 Russland , Rostov am Don

Zernogradskiy , Tselinny: 1 Legehennenbestand (486.164 Vögel) und 3 Kleinbestände

Gen-Analyse: Die Viren stammen aus derselben Quelle wie die Moskauer Viren.

 

3. Ausbruchsserie, Teil 1 (Juni-August)

Tschechien - Deutschland (BY,SN,TH,ST) - Frankreich - Russland

19.06.07 Tschechien I, Pardubický

Tisova: Ausbruch in einem Putenbestand (6.000 Vögel).

Tisova liegt in einer Region mit einigen Geflügelfarmen. In drei davon wurden später ebenfalls HPAI-H5N1-Viren nachgewiesen (siehe unten). Transport von Geflügel aus der Gegend um Tisova in die Ausbruchsregion Mittelfranken ist bewiesen, und ist der wahrscheinlichste Weg für die Einschleppung der Viren nach Bayern.

Gen-Analyse: auch die H5N1-Fälle bei Wildvögeln in Süd-Tschechien, Nürnberg, Sachsen, Thüringen und Lothringen (Frankreich) sind mit diesen Ausbrüchen verknüpft. Der genaue Verbreitungsweg ist unbekannt. Eine plausible Erklärung ist die Einschwemmung von kontaminiertem Geflügelmist (Naturdünger) in Oberflächengewässer.

19.-28.06.07 Bayern , Nürnberg

Wöhrder See: 7 tote Höckerschwäne, 1 Graugans, 1 Stockente

Silbersee: 1 "Wildgans" (falsch: =Kanadagans)

Wöhrder See: Stark eutrophierter aufgestauter Weiher. 40-50 Höckerschwäne, 60 Graugänse. Starkes Algenwachstum. Der See wird überquert von einer Eisenbahnbrücke der Bahnlinie von Prag über Cheb nach Nürnberg.

 

22.06.07 Tschechien II, Pardubický

Norin (4 km von Tisova): Broilerbestand (27.500) wird beprobt, aber negativ

 

An diesem Fall, wie bei späteren in Bayern, zeigt sich, dass die in der EU üblichen Routinetests bei unauffälligen Ausbrüchen (subklinische Infektionen oder geringe HPAI-H5N1-Viren -Prävalenzen) unzuverlässig sind.

25.06.07 Tschechien II, Pardubický

Norin: Broiler; erneute Beprobung kurz vor der Schlachtung ergibt Nachweis von H5N1, aber keine kranken Hühner.

26.06.07 Tschechien III, Jihomoravský (Süd-CZ)

Lednice: 1 toter Höckerschwan

Dieser einzelne Parkvogel wurde später von englischen und deutschen Behörden (DEFRA und FLI) dazu missbraucht, der Öffentlichkeit irreführend zu suggerieren, dass vor allem "Wildvögel" in Osteuropa betroffen waren.

25.06.07 Sachsen , Frohburg

Eschefelder Teiche: 3 tote Höckerschwäne

Gen-Analyse: die Viren sind ähnlich Viren aus Tschechien und Nürnberg

An den Teichen halten sich bis zu 150 Höckerschwäne auf.

 

 


26.06.07 Bayern , Nürnberg

Wöhrder See: Mähboot wird eingesetzt, um Algenblüte zu bekämpfen. Einsatzdauer: 6 Wochen.

28.06.07 Bayern , Nürnberg

Wöhrder See: 1 toter Höckerschwan

Veterinäramt Fürth: HPAI-H5N1-Viren sind die Todesursache bei 8 pathologisch untersuchten Vögeln, nicht andere Erkrankungen.

Gen-Analyse: die Viren ähneln stark den tschechischen.

"Handelsbeziehungen" zwischen der Ausbruchsregion in CZ und einem "mittelfränkischen Schlachtbetrieb 50 km von Nürnberg" werden bekannt: Lebendtransport von Legehennen, die später als Tiefkühlgeflügel beprobt werden: Ergebnis: negativ.

28.06.07 Frankreich , Moselle (Lothringen)

Assenoncourt : 3 tote Höckerschwäne

 


29.06.07 Thüringen / Sachsen-Anhalt ; Stausee Kelbra

Innerhalb weniger Tage wird mehr als die Hälfte der Schwarzhalstaucher-Population tot aufgefunden (~ 290 Vögel), außerdem vereinzelte tote Vögel anderer Arten (8 Haubentaucher, 2 "Möwen", 1 Blässralle, keine Schwäne)

29.06.07 Bayern, Franken

Epidemiologie: FLI findet keine HPAI-H5N1-Viren in tiefgefrorenen Legehennen, die aus der Umgebung von Tisova (CZ) zum Schlachten nach Franken gebracht worden waren

01.-08.07.07 Bayern , Nürnberg

Wöhrder See: 5 tote Höckerschwäne, der letzte am 8.7.07.

08.07.07 Wöhrder See: In Fürth (BY) wurden in drei Wochen > 100 tote Wasservögel untersucht.

04.07.07 Thüringen , Windischleuba

Stausee Windischleuba: 1 toter Höckerschwan.

Der Fall hängt zusammen mit dem Fund von 3 toten Schwänen in den nahegelegenen Eschefelder Teichen (26.06.07).

05.07.07 Thüringen , Kyffhäuserkreis

Fischteiche Ebeleben: 1 toter Höckerschwan und 2 anscheinend infizierte, aber noch nicht erkrankte Schwäne derselben Schwanenfamilie.

Eine Einschleppung durch Fischbesatz aus der Umgebung des Stausee Kelbra wird vermutet.

Ein infizierter, aber noch nicht sichtbar erkrankter Schwan wird von Vertretern des FLI oft fälschlicherweise als Beweis für die Existenz "subklinisch infizierter Wildvögel" angeführt. Inkubationszeit von Schwänen war in Laborexperimenten ~ 1 Woche.

06.07.07 Sachsen , Frohburg

Eschefelder Teiche: 1 toter Höckerschwan, 1 tote Stockente

 


06.07.07 Thüringen, Saalfeld-Rudolstadt

Saalfelder Höhe: 1 tote Hausgans, 9 Vögel im selben Bestand negativ für H5N1. Kleinzoo einer Behinderteneinrichtung

1.200 nicht infizierte Vögel der Umgebung werden gekeult.

Es bleibt unklar, ob HPAI H5N1 überhaupt sicher nachgewiesen wurde.

07.07.07 Sachsen , Torgau-Oschatz

Torgau: 1 toter Höckerschwan an Fischteich

 


08.07.07 Sachsen , Muldentalkreis

Machern: 1 toter Haubentaucher

 


11./12.07.07 Thüringen , Kyffhäuserkreis

Fischteiche Ebeleben: 2 tote Höckerschwäne

 


11.07.07 Tschechien IV, Pardubický

Netreby: Legehennen-Brüterei (17.000 Vögel)

Chocen: Legehennen-Brüterei (54.000 Vögel). Die Legehennen hatten offenbar keine erkennbaren Krankheitssymptome.

Erstmals werden HPAI-H5N1-Viren in Beständen nachgewiesen, aus denen wenige Wochen zuvor Vögel lebend nach Franken transportiert wurden. Es gibt aber keine offizielle Information, ob es genau dieselben Betriebe waren.

Nach offizieller Darstellung handelt es sich um "sekundäre" Ausbrüche. Der zeitliche Ablauf der Ereignisse spricht klar gegen diese Annahme.

 


19.07.07 Bayern, Nürnberg

Wöhrder See: "...im Wasser [wird] eine für eine Infektion erforderliche [HPAI-H5N1-Viren-] Dosis bei weitem nicht erreicht..."

29.07.07 Frankreich , Moselle (Lothringen)

Diane Capelle : 2 tote Höckerschwäne

 


01.08.07 Bayern , Schwandorf (Oberpfalz)

Hofing: Mastenten aus dem Bestand werden im Schlachtbetrieb Wachenroth geschlachtet. In Rückstellproben werden 31 Tage später HPAI-H5N1-Viren entdeckt.

Der Schlachtbetrieb Wachenroth liegt in Mittelfranken, genau 50 km von Nürnberg (siehe oben!). Ob es sich um denselben Betrieb handelt, der die tschechischen Legehennen verarbeitet hatte wird nie bekannt.

03.08.07 Bayern, München

Aschheim, Ismaninger Speichersee: 3 tote Tafelenten

(Bis heute gibt es keine weiteren Informationen über diese Vögel. Gen-Analysen wären hilfreich).

14.08.07 Frankreich , Moselle (Lothringen)

Diane Capelle : 2 tote Enten

 


24.08.07 Bayern , Erlangen-Höchstadt (Franken)

Wachenroth-Warmersdorf: in einem Mastentenbestand (170.000 Vögel) sterben 4.000 Jungenten von 44.000

27.08.07 Amtstierarzt erklärt, durch Wildvögel kontaminiertes Stroh sei die Ursache gewesen. Dieses Stroh existiert vermutlich nur in seinem Kopf.

Bund Naturschutz in Bayern erklärt, Geflügelmist sei als Ursache wahrscheinlicher.

28.08.07 Bayern , Schwandorf (Oberpfalz)

Hofing/Schwandorf: ein Mastentenbestand (Kontaktbestand) wird klinisch untersucht und für virenfrei erklärt.

28.08.07 Frankreich, Moselle (Lothringen)

60 Höckerschwäne (von 120) und 200 Tafel- und Stockenten werden an den Lothringer Teichen (Etang de Lindre) geschossen für Untersuchung auf HPAIV. Es werden keine HPAI-H5N1-Viren oder Antikörper gefunden.

28.08./05.09.07 Russland , Krasnodarskiy Kray

Krasnodar: zwei Ausbrüche hintereinander in demselben Legehennenbestand (161.000, 86.500 Vögel).

Russland /Tschechien

Gen-Analyse: die Viren zumindest der "Ersatzvögel" sind sehr ähnlich Viren aus Tschechien. Es ist unklar, ob die "Ersatz-Legehennen" von dort importiert wurden.

 


30.08.07 Bayern / Hessen

Darmstadt-Dieburg: 1.5 t tiefgefrorene Mastenten aus Wachenroth werden beschlagnahmt und vernichtet.

31.08.07 Bayern , Schwandorf (Oberpfalz)

Hofing: In Rückstellproben von am 1.8.07 geschlachteten Enten wird H5N1 HPAIV entdeckt. Darauf erneute Kontrolle im Bestand (wann genau?).

 


07.09.07 Bayern , Schwandorf (Oberpfalz)

Hofing: In einer zweiten, gründlicheren Untersuchung werden HPAI-H5N1-Viren und Antikörper in diesem und einem benachbarten Bestand in Trumling gefunden. 171.000 Mastenten werden gekeult.

Trumling: im Nachbarbestand (28.000 Vögel) werden H5-Antikörper entdeckt.

07.09.07 Bayern , Schwandorf (Oberpfalz)

Seit der Schlachtung infizierter Enten am 1.8. (Rückstellproben) sind 38 Tage vergangen. Seit dem ersten Hinweis auf eine mögliche Infektion Ende Juni mindestens 70 Tage.

Mit diesen Ausbrüchen endet scheinbar diese Serie. Tatsächlich sind kontaminierte Produkte (Tiefkühlenten; vermutlich auch Eintagsküken?) aus Ausbruchsbeständen nicht vollständig zurückgerufen worden, und lösen kurz darauf eine weitere, europaweite Ausbruchsserie aus.

 

3. Ausbruchsserie, Teil 2 (November 07 - Feb. 08)

England (Suffolk II) - Ukraine - Polen - Brandenburg - England (Dorset)

11.11.07 England (UK), Suffolk II

Redgrave: Ausbruch in einer Putenfarm (200 von 6.500 Puten tot). Auch eine infizierte Gans

Gen-Analyse: noch keine Gensequenzen veröffentlicht. Viren sind angeblich tschechischen sehr ähnlich.

14.11.07 England (UK), Suffolk II

Knettishall: 3 infizierte Puten in einem Kontaktbestand (9.000 Puten)

 


27.11.07 Rumänien , Tulcea (Donau-Delta)

Tulcea: Kleinbestand 31 von 80 Hühnern erkrankt.

Gen-Analyse (HA-Gen nur teilweise sequenziert): die Viren stammen offenbar von tschechischen Viren ab.

30.11.07 Polen , Plock

Uniejow, Mysliborzyce : zwei Putenbestände (300 von 3.500, bzw. 60 von 1.085 Vögeln erkrankt).

Gen-Analyse: noch keine Gensequenzen veröffentlicht. Viren sollen aber den tschechischen ähnlicher sein als Viren aus den deutschen Ausbrüchen.

03.12.07 Polen , Plock

Mysliborzyce : Kleinbestand (13 Hühner, 2 Enten: 2 Vögel tot)

 


08.12.07 Polen, Mazowieckie I

Zuromin, Karniszyn : Legehennen-Bestand (610 von 119.000 Legehennen tot).

22 Wochen alte Legehennen. Sie könnten dem Alter nach aus den tschechischen Brütereien stammen, bevor dort die Viren gefunden wurden.

Bemerkenswert: die Ausbrüche in Polen begannen, als diese Legehennen legereif waren (mit ~18-20 Wochen)

10.12.07 Polen, Mazowieckie II

Zuromin, Sadlowo : Legehennen-Bestand (209 von 385.000 Legehennen tot).

20 Wochen alte Legehennen (siehe oben!).

11.12.07 Polen, Warminsko-Mazurskie I (Masuren)

Lidzbark Warminski, Krzykaly: Tierauffangstation (1 Storch und 2 Bussarde tot, 11 Vögel gekeult)

Diese Vögel werden oft als angebliche "Wildvögel" angeführt; infiziert wurden sie aber in menschlicher Obhut offenbar durch Futter (Geflügelreste aus Ausbrüchen).

12.12.07 Polen, Warminsko-Mazurskie II (Masuren)

Elblag, Lepno I: Kleinbestand (32 Hühner, 7 Enten): 30 Vögel tot

Elblag, Lepno II: Kleinbestand (165 Hühner, Enten, Gänse): 7 Vögel tot

 


14.12.07 Brandenburg, Oberhavel

Altglobsow: Kleinbestand (5 von 11 Hühnern tot)

Ursache: Verfüttern von Resten von Tiefkühlenten aus dem Bestand in Hofing (Schlachtung am 1.8.). Viren aus den 3 Brandenburger Ausbrüchen anscheinend identisch.

16.12.07 Polen, Warminsko-Mazurskie III

Glodówko: Kleinbestand (5 von 8 Hühnern tot)

 


21.12.07 Brandenburg, Potsdam-Mittelmark

Altbensdorf: Kleinbestand (5 von 30 Hühnern tot)

 


22.12.07 Polen, Mazowieckie III

Zuromin, Sadlowo : Legehennen-Bestand (20 von 185.000 Legehennen tot).

24 Wochen alte Legehennen (siehe oben!).

 

25.12.07 Brandenburg, Ostprignitz-Ruppin

Horst, : 5 von 15 Hühnern tot

 

Ursache: Verfüttern von Resten von Tiefkühlenten aus dem Bestand in Hofing (Schlachtung am 1.8.).

27.12.07-28.01.08 England (UK), Dorset

Abbotsbury Schwanenpark: in regelmäßigen Abständen werden v.a. am Montag (4) oder Do/Fr (4) tote oder todkranke Höckerschwäne gefunden.

Im Winter 2007 hielten sich dort 750 zahme Höckerschwäne auf. Außer den Totfunden wurden 60 eingefangene Schwäne beprobt: Ergebnis negativ - keine HPAI-H5N1-Viren und keine Antikörper.

29.01.08 England (UK), Dorset

Weymouth (10 km von Abbotsbury): 1 kranker Höckerschwan in einem Park in der Stadt.

Die Behörden (DEFRA) halten den Fundort dieses letzten Schwans vor der Öffentlichkeit geheim. Er befindet sich in einem NSG inmitten eines belebten Stadtparks, in dem auch Schwäne gefüttert werden.

Gen-Analyse: genaue Daten wurden noch nicht veröffentlicht. Angeblich sind die Viren tschechischen sehr ähnlich.

15.01.08 Ukraine , Krim

Krasnogvardeisk: Legehennen (173 von 25.000 tot)

Gen-Analyse: die Viren sind, wie rumänische, fast identisch mit tschechischen Viren. Der gemeinsame Ursprung ist aber wohl in Tschechien zu suchen.

05.02.08 Ukraine , Krim

Chernomorskiy: Kleinbestand (3 von 9 Hühnern tot)

 


11.02.08 Ukraine , Krim

Sevastopolsky: "8" Wildvögel (6 Blässrallen, 2 Kormorane, 1 "Möwe") in 3 Meeresbuchten.

 

Angebliche Ursache aller Ausbrüche in Ukraine: "Menschen, Fahrzeuge, Futter, etc."

19.02.08 Schweiz , Sempacher See

eine weibliche Tafelente wird gefangen und beprobt. BVET findet Hinweise auf HPAI-H5N1-Viren-Genmaterial, kann aber keine Viren isolieren. Das Laborergebnis wird erst Wochen später veröffentlicht.

Es ist fraglich, ob der Befund eine sichere Bestimmung der HPAI-H5N1-Viren zulässt. Bis zur Veröffentlichung der vollständigen Untersuchungsprotokolls muss dieser Fund kritisch gesehen werden.

25.02.08 England (UK), Dorset

Abbotsbury Schwanenpark: eine Kanadagans wird tot gefunden.

Die zwischenzeitlich aufgehobenen Beschränkungen um die Ausbruchsstelle werden wieder in Kraft gesetzt, aber kurz darauf ohne Begründung endgültig aufgehoben. Ist dies so zu verstehen, dass in der Zwischenzeit das positive Laborergebnis in diesem Fall als falsch erkannt wurde?

 

sonstige Ausbrüche (Dezember 07 - Januar 08)

Bayern, Israel, Türkei

07.09.07 Bayern , Niederbayern

Niedrig pathogene AI-Viren: In zwei Beständen werden 67.000 Enten wegen LPAI-H5-Viren getötet.

 


27.12.07 Israel

Binyamina-Giv'at Ada: Kindergarten-Zoo: von 32 Vögeln (20 Hühner, 8 Enten, 4 Tauben) sterben 18 Hühner.

 

Gen-Analyse: die Viren stammen aus Ägypten. Sie sind fast identisch mit Viren aus einem Cluster von 7 Proben aus verschiedenen Teilen Ägyptens. 4 davon wurden aus geimpften Vögeln isoliert.

Drei der Hühner waren 5 Woche zuvor (20.11.07) aus einer Hühnerfarm in Süd-Israel gekommen. Die übrigen Hühner dieser Farm waren Anfang Dezember geschlachtet worden. Wegen der langen Zwischenzeit wurde eine Herkunft der Viren von dort ausgeschlossen.

Da nun bekannt ist, dass dieser Virenstamm häufig bei geimpften Geflügel auftritt sollte diese Tatsache neu bewertet werden.

18.01.08 Türkei , Schwarzmeerküste

Zonguldak: Hinterhof-Bestand (13 von 586 Vögeln tot)

angebliche Ursache: verfütterte Reste gejagter Wildenten, aber keine Wildente wurde untersucht. Gen-Daten sind unveröffentlicht. Zusammenhang mit anderen Ausbrüchen deswegen noch unklar.

26.01.08 Türkei , Schwarzmeerküste

Samsun: Hinterhof-Bestand (25 von 57 Vögeln tot)

angebliche Ursache: wie oben

02.02.08 Türkei , Schwarzmeerküste

Sakarya: Hinterhof-Bestand (53 von 3646 Vögeln tot)

angebliche Ursache: wie oben

08.02.08 Türkei , Schwarzmeerküste

Samsun: Hinterhof-Bestand (4 von 52 Vögeln tot)

angebliche Ursache: wie oben

11.02.08 Türkei , Schwarzmeerküste

Sinop: Hinterhof-Bestand (13 von 130 Vögeln tot)

angebliche Ursache: wie oben

09.03.08 Türkei , West-Türkei (Evros-Delta)

Edirne: Hinterhof-Bestand (22 von 1604 Vögeln tot)

angebliche Ursache: zuerst werden "Menschen, Fahrzeuge, Futter, etc." angegeben, später (nach Nachfrage über PromedMail) geändert zu verfütterte Reste gejagter Wildenten. Keine Wildente wurde untersucht.